Das Elend der alltäglichen Autofahrt, wer kennt es nicht? Die Sonne scheint, Frühlingsdüfte wehen durchs halb heruntergekurbelte Fenster, im Radio läuft „Sunshine Reggae“ von Laid Black. Der Kaffee im Pappbecher döst kurz unter der Armlehne vor sich hin und mit einem halben Gedanken träumt man sich schon in den Sommerurlaub. Sonne. Strand. Palmen. Vielleicht kommen die ersten Gedanken an die Arbeit hoch, Termine, die noch zu erledigen sind. Frau Müller zum Diktat. Irgendwann kaschieren die Vorderräder den zerplatzten Hasen, den irgendein depperter Autofahrer letzte Nacht aus dem Nest geschubst hat. In diesem Moment knistern eine Menge Moleküle und Hirnzellen zu Höchstleistungen auf und die bioelektrischen Impulse zwischen den Synapsen lassen jetzt verschiedene Verhaltensweisen zu.

Nun gut, die meisten entscheiden sich sicherlich für´s Weiterfahren und nach wenigen Lidschlägen ist die rosarote Ekelei auch schon wieder vergessen. Kleiner Nipp am Kaffeebecher, der Fuß wippt wieder im Reggaetakt. Manchmal, aber nur manchmal könnte es aber auch passieren, dass man sich die folgende Frage stellt: Welchen Sinn macht es, über den Tod nachzudenken, solange das Leben wie eine frisch geöffnete Pulle Vitamalz durch unsere Venen sprudelt? Vor diesem Hintergrund sind die halbgeöffneten Nagetiere abseits der Bundesstraße möglicherweise als Symbole der Sterblichkeit zu verstehen, die uns bei jedem neuen Mittelstreifen an das mögliche Ende unserer eigenen Existenz denken lassen. Mal Hand aufs Herz (bumm … bumm … 70 Schläge pro Minute, ein Powerorgan ohne Vergleich): Wie oft denken wir an unseren Lebensabend? Nun gut, der eine oder die andere spart sich in vager Hoffnung, davon zu Lebzeiten noch etwas haben zu können, eine Rente zurecht oder blickt auf Immobilienwerte zurück. Ein sicheres Ruhepolster. Der reguläre Zustand sieht leider anders aus, wenn dank Altersdemenz dann doch irgendwann die Pflegefälligkeit droht und das eigene Hab und Gut, Zeitzeugen eines Menschenlebens, zwischen vollgepissten Matratzen und dem Album mit  Hochzeitsfotos im Müllcontainer landet. Wohl dem, der auf eine Familie zurückblicken kann, die sich liebevoll um einen kümmert, wenn es soweit sein sollte. Diesen Wunsch haben wohl viele von uns, und er soll auch weiterhin berechtigt bleiben, denn er gibt uns Hoffnung und nimmt uns die Furcht vor dem Sterben in Einsamkeit.

Nicht alle von uns haben dieses Glück. Wenn wir nur gelegentlich einmal den Fuß vom Gaspedal nehmen, rechts ran fahren, tief durchatmen und die Gedanken kreisen lassen, kann eine Auseinandersetzung mit dem eigenen Altern sehr heilsam für die aktuelle Lebensqualität sein, und zwar in vielerlei Hinsicht. Doch sollten wir uns damit nicht allzu viel Zeit lassen. Das Schicksal kommt manchmal ebenso schnell und heftig wie ein frischlackierter Audi auf der Bundesstraße 75.