Damals, vor Unzeiten scheint es, gab es für so richtig hippe Leute diesen Trend, sich für total überteuertes Geld so ein Mobilfunktelefon zu kaufen. Die Dinger damals hatten noch ne Antenne zum Rausziehen, waren klobig wie´n Holzscheit  und wenn man angeben wollte, konnte man seinen Kumpels die vier Klingeltöne vorspielen oder beeindruckte mit seiner ganz persönlichen Version von „Pong“ (das war dieses ultimative Game mit den beiden Balken links und rechts, die einen Cursor über den Fernseher schossen). Nun, wie es scheint eine ganze Ära weiter, beeindrucken die smarten Taschencomputer mit einer omnipotenten Anwendungsvielfalt und das reine Telefonieren oder Erreichbar-Sein geht unter in einem Wirrwarr von sogenannten „Apps“. „Apps“, die Kurzform des Wörtchens „Applications“ sind kleine, billige Miniprogramme, die ein Smartphone individuell erweitern … und oft völlig überflüssig sind. Sie reichen von Bierflaschensimulationen über virtuelle Fitnesstrainer bis hin zu vollständigen Navigationsprogrammen mit einer Funktionsvielfalt, wie es ein Endgerät mit ebendieser Spezialfunktion auch im Einzelhandel anzubieten hätte.

Nun stellt sich die Frage, was unser täglich Leben mit dieser neuen Angebotsvielfalt anzufangen weiß. Ob es eine Bereicherung oder eher ein Fluch ist, seine kostbare Zeit mit Minigames zu vergeuden oder über einen Minibildschirm die aktuellen Schlagzeilen der Tageszeitung zu lesen, mag jeder für sich allein entscheiden. Für die digital natives von heute (im Gegensatz zu meiner Generation, die als Nomaden des Multimediazeitalters gelten und mit dem Status der digital immigrants abgestraft wird), sind Apps für ihr Smartphone – sofern überhaupt vorhanden – DAS Phallussymbol schlechthin. Je geiler je besser.

Flirtmodule, Musikdatenbanken, Tipps und Tricks zum hippsten Club der Stadt, das Angebot ist nahezu unbegrenzt. „Hängt das Bild schief?“ – „Keine Ahnung, aber ich hab da so´n App …“, „Wo gehts zum nächsten MacD?“ – „Yo ich check mal meine Apps, ich hab da so´n phattes Augmented-Reality-Teil …“

Man mag darüber geteilter Meinung sein, ob Apps überhaupt notwendig sind. Aber die Dinger funktionieren nach dem Motto „Besser haben als brauchen“, und das tun sie verdammt gut. Wer sie einsetzt, kommt flexibler und eleganter klar im Medienzeitalter, besitzt ein elektronisches Statussymbol und kann zudem bequem seine Zeit verplempern. Natürlich könnte man auch ein Buch lesen oder Vögel beobachten. Wenn man das jedoch stylish tun will, holt man sich ´n App dafür.