Die Laufzeitverlängerungen deutscher Atomkraftwerke werden für drei Monate ausgesetzt. Frau Merkel hat sich endlich durchgerungen, den Atomkraftgegnern doch tatsächlich etwas entgegenzukommen. Wer hätte das gedacht? In Zeiten des atomaren Notstandes, multipler Reaktorenexplosionen und dem Freisetzen verseuchten Wasserstoffgemischs aus japanischen Atommeilern haben unser AKWs drei Monate Zwangspause. Wer hinter dieser Entscheidung Standesklüngel oder politische Berechnung vermutet, könnte damit sogar richtig liegen, denn auf diese Weise rettet man sich über ein paar notwendige Wahlen und schafft es vielleicht, trotz des ganzen Desasters und in Zeiten bockiger AKW-Demonstranten doch noch etwas für das politische Klima zu tun. Jede Krise währt nur so lange wie die eigene Legislaturperiode, Altkanzler Schröder war in dieser Hinsicht übrigens auch ein wahrer Meister des diplomatischen Camouflage.

Whatever. Während hierzulande jedenfalls wieder einmal die Atomdebatte aufkommt, in den Fernsehshows das illustre Für und Wider gegeneinander abgewogen wird und sich die beteiligten Gesprächspartner auf mitunter groteske Art an die Gurgel springen, lohnt sich ein Blick über den nationalen Tellerrand. Skandinavien vermutet in der Nuklearenergie ein natürliches und umweltfreundliches Verfahren zur modernen Energiegewinnung und in Polen freut man sich schon lange auf ersehnte Atommeiler-Neubauten. Knapp 170 AKWs gibt es weltweit, zwei davon fliegen in 25 Jahren Abstand in die Luft … geht man also von 25 Jahren Gnadenfrist bis zum nächsten Supergau aus und rechnet man die Inflationsrate in der AKW-Baubranche mit ein, so fliegen uns 3,4% aller Atomkraftwerke pro geschätzter Eltern-Kind-Generation um die Ohren. Das macht eine Gefährdungsrate von … Moment … 0,136% Knallwahrscheinlichkeit pro Jahr. Kumulatives Risiko, versteht sich. Wer jetzt der Ansicht ist, so eine Rechnung wäre Tünnef und viel zu übertrieben – so könne man das gar nicht rechnen und so könne man das gar nicht sehen, dem gebe ich Recht. Ich möchte kulant sein und schenke euch 1% Restrisiko. Wir können also von 0,36% Wahrscheinlichkeit ausgehen, dass einmal im Jahr irgendwo in der Welt so ein Teil zu Klump explodiert. Klingt ziemlich sicher. Falls dem so ist, so kann man sich darüber wundern, warum eigentlich so viele Leute Lotto spielen und bei einer Gewinnchance von sage und schreibe 0,00000072 % auf einen Jackpot hoffen.

Die Wahrscheinlichkeit, im nuklearen Fallout zu verrecken, ist also exakt 500.000 mal so hoch wie ein Sechser im Lotto. Herzlichen Dank für Sicherheit und Wohlstand, das ist doch mal ne total sichere Angelegenheit, diese Kernspaltung.

Bildquelle: atommuelluntermbundestaglagern.de